Zäher Russe – Lada Niva 4×4 – never change a russian vehicle!

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„Wenn ich mal groĂź bin, dann kauf ich mir genau so ein Auto!“, wie oft hört man Kinder diesen Satz sagen und dann nach 20 Jahren sieht die Welt meist völlig anders aus. Ja „meist“, denn im Fall von mir und dem Lada 4×4, in meiner Kindheit Anfang der Achtziger noch Niva genannt, sieht es ein wenig anders aus. Also zumindest sieht es so aus, dass es den Niva immernoch als Neuwagen gibt, ich ihn irgendwie immernoch ziemlich kutlig finde, allerdings ziehe ich aktuell flache Sportgeräte mit 6-Zylindermotoren definitiv vor. Was ich 1983, also 6 Jahre nach Baubeginn der Niva-Baureihe, nicht ahnen konnte war, dass der 4×4 Lada ein verdammt zäher Hund ist und trotz der letzten ModellpflegemaĂźnahmen vor zwei Jahren bleibt er ein fabrikneuer Oldtimer, worin fĂĽr viele Fans nicht zuletzt – neben dem Preis – sein groĂźer Charme liegt.

Modellpflege vor zwei Jahren? Ă„uĂźerlich unterscheidet sich auch die aktuelle Generation des Lada 4×4 so gut wie nicht von allen anderen Niva. Kenner machen jedoch etwas größere Blinkleuchten vorne aus, unter denen die Hauptscheinwerfer mittlerweile schon klein wirken. Ein neues Kombiinstrument sowie von innen verstellbare AuĂźenspiegel gibt es seit 2010 ebenfalls. Zudem wurde endlich der Klappmechanismus der – leider immer noch ungeteilten – RĂĽckbank verbessert. Doch die meisten Ă„nderungen bleiben dem Betrachter verborgen. Als Beispiele seien bessere Dichtungen fĂĽr die Wasserpumpe, eine größere Schwungscheibe, der Bremskraftverstärker aus dem Lada Kalina, geänderte Vorder- und Hinterachsaufhängungen, sowie neue StoĂźdämpfer, stärkere Lager fĂĽr die Ausgangswelle im Verteilergetriebe und die verbesserte hintere Kardanwelle genannt. Der Modellpflege entgangen ist die unorthodoxe Entriegelung der Kofferraumklappe mittels eines dritten TĂĽrgriffs im Fond hinter dem Fahrersitz – und nur von da.

Vor allem die Veränderungen am Fahrwerk sind deutlich zu spüren. Das russische Relikt einer längst vergangenen Autoepoche lässt sich spürbar präziser lenken und verhält sich auch in schnelleren Kurven erstaunlich gutmütig. Das neutrale Fahrverhalten ist kein unbedeutender Faktor, denn nach wie vor müssen Niva-Fahrer ohne ESP auskommen. Und Airbags dürfen sie nach wie vor auch nicht erwarten. Mit diesem Jahr hielt immerhin endlich ABS Einzug in den automobilen Klassiker. Nach wie vor verzögern aber hinten Trommelbremsen den kompakten Offroader und taucht der Vorderwagen beim Bremsen stark ein. Zum herrlich nostalgischen Fahrgefühl tragen auch das große Lenkrad, der ellenlange Schalthebel und die so gut wie ausgestorbenen Kippschalter bei; nicht zu vergessen die herrlich altmodischen Schieberegler für die (leistungsstarke) Heizung.

Der Motor ist weiterhin ein zäher und brummiger Geselle, erfüllt aber mittlerweile sogar die Euro-5-Norn. Er will mit Drehzahl bei Laune gehalten werden. Richtig laut im Innenraum wird es ab etwa 100 km/h. Bis dahin müssen aber ohnehin nach dem Anfahren rund 20 Sekunden einkalkuliert werden. Weit nerviger ist allerdings das ständige Gesurre des Antriebstrangs, das sich vor allem im Schiebebetrieb bemerkbar macht. Unbestritten sind die Geländequalitäten des kompakten Fahrzeuges. 65 Zentimeter Wattiefe, 58 Prozent Steigfähigkeit und ein Kippwinkel von 48 Grad sorgen in Verbindung mit serienmäßiger Differenzialsperre und Getriebeuntersetzung für echte Offroad-Eigenschaften.

Dass der kultige Kraxler mittlerweile auf die schnöde Bezeichnung 4×4 hört, verdankt er dem von Autovaz in Kooperation mit General Motors in Russland gebauten Chevrolet Niva, der hierzulande nicht angeboten wird. Aber fĂĽr Fans gibt es ohnehin nur einen wahren Niva. Unser Testfahrzeug in der „Exklusive“-Version fĂĽr 2.490 Euro Aufpreis bot unter anderem Dotz-Leichtmetallfelgen, InnenkotflĂĽgel, Radio, einen FrontbĂĽgel und Trittbretter aus Edelstahl. Wem die 9,5 Liter Durchschnittsverbrauch nach EU-Norm zu viel sind, der kann den Niva (wie alle Lada) auch mit einer Autogasanlage bestellen.

Trotz Euro 5 und ABS sowie der vielen Detailänderungen wird der Lada 4×4 vermutlich aber nicht mehr ewig leben. Immer schärfer werdende Sicherheitsnormen und die Hand von Renault bei Autovaz dĂĽrften in absehbarer Zeit zu einem Nachfolger fĂĽhren. Aber vielleicht kommt auch wieder alles anders als man denkt und ich könnte auch in 20 Jahren noch mal darĂĽber nachdenken mir doch „genau dieses Auto zu kaufen“, welches ich als 6-jähriger schon so toll fand.

Daten Lada 4×4 (Niva)

Länge x Breite x Höhe (m): 3,72 x 1,68 x 1,64
Motor: 4-Zylinder-Benziner, 1690 ccm
Leistung: 63 kW / 83 PS bei 5000 U/min
Max. Drehmoment: 129 Nm bei 4000 U/min
Verbrauch (nach EU-Norm): 9,5 l/100 km
CO2-Emissionen: 225 g/km (Euro 5)
Höchstgeschwindigkeit: 129 km/h
Beschleunigung von 0 auf 100 km/h: 19 Sek.
Leergewicht / Zuladung: 1210 kg / 400 kg
Reifen: 175/80 R 16
Wendekreis: 11 m
Kofferraum: 263 – 982 Liter
Max. Anhängelast: 1490 kg
Grundpreis: 9.990 Euro

2 KOMMENTARE

  1. Auch ich wollte schon als Jugendlicher einen Niva haben, was jedoch mangels Cash weiterhin ein Traum blieb. Kurz vor Weihnachten 2013 habe ich dann doch endlich zugegriffen. Ăśberrascht bin ich bis jetzt ĂĽber den doch recht ansprechenden Fahrkomfort. Der Wagen federt gut, nichts knarzt, knistert oder klappert. Die Rundumsicht ist hervorragend und die Bedienelemente sind einfache Kippschalter. Also auch mit Handschuhen leicht bedienbar. Die Schaltung ist knochig und der RĂĽckwärtsgang hakt etwas beim Einlegen. Der Verbrauch ist nicht ganz so hoch, wie angegeben. Da ich anfangs nur „Super“ tankte und damit 9,8 Ltr./100 km benötigte, tanke ich nun V-Power. Die bessere Energieausbeute dieses Kraftstoffs lies den Verbrauch bis auf 9,05 Liter !! sinken, was einer Reichweite von rund 470 km pro TankfĂĽllung entspricht. In anbetracht der sowieso eher unrealistischen EU-Verbrauchsermittlung, bei der sogar ein nagelneuer Opel Astra Diesel bereits 10 Ltr.!! laut Prospekt braucht, ein neuer Renault Megane sogar 8,5 Ltr. Diesel, erscheint mir meine Verbrauchsermittlung fĂĽr den Niva wesentlich realistischer als die Angaben im Prospekt. Ja, der Motor ist laut und zäh, aber ich habe nicht vor, mit diesem Wagen Rennen zu fahren. So wie er ist, gefällt er mir und ich hoffe, dass er mir bei guter Pflege noch recht lange erhalten bleibt und gute Dienste leisten wird. Ich finde, es war ein guter und richtiger Kauf.

  2. Na das ist doch mal eine schöne Geschichte, wir freuen uns mit Ihnen und gratulieren zum Niva und wĂĽnschen allzeit gute Fahrt. Gerne können Sie uns auf dem Laufenden halten, wie sich Ihr „Jugendtraum“ denn so im Alltag macht und ĂĽberhaupt, was Sie beide so erleben. Wir freuen uns drauf!

    gerne auch per Mail: redaktion@mindstoremarketing.de

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