Wenn das „S“ dauerhauft im Prenzlberg parkt und der Berliner kein Bayer werden muss – Kennzeichenmitnahme soll deutschlandweit möglich werden

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Kfz-Kennzeichen (Quelle: BMVBS)Ohne sehen Autos irgendwie nackt aus, bei der Wagenpflege hingegen sind sie das Letzte was geputzt wird, die meisten machen sich nichts draus, aber alle mĂŒssen zwei haben – Kfz-Kennzeichen. Per Gesetz mĂŒssen an jedem Kraftfahrzeug amtlich erstellte Nummerschilder angebracht sein, zieht man mit seinem Kfz in eine andere Stadt oder gar ein anderes Bundesland muss der Fahrzeughalter ein neuen Satz Kennzeichen bei der Zulassungstelle beantragen. So ist die Kfz-Ummeldung auch ein StĂŒck weit Integration und Anpassung an den neuen Wohnort – der Schwabe tauscht gerne sein „S“ gegen ein „B“ und ist von da an ein echter „Prenzlberger„, dagegen widerstrebt es so manchem Berliner nach dem Umzug nach Bayern sein geliebtes „Hauptstadt-B“ gegen ein M, STA oder FFB einzutauschen – den Bayern wĂŒrde man ihm eh nicht abkaufen, da hilft auch ein neues Kennzeichen nicht – doch Gesetz ist Gesetz. Über Sinn und Unsinn der Pflichtummeldung bei Umzug lĂ€sst sich wenig streiten – am Kennzeichen lĂ€sst sich eben feststellen wo der Fahrzeugbesitzer wohnhaft ist und das ist in den meisten FĂ€llen auch gut so. Das wiederum soll sich demnĂ€chst Ă€ndern, denn Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer hat dem Bundeskabinett eine Neuregelung vorgelegt und dieses hat dem jetzt auch noch zugestimmt. Somit wird u.a. die Pflicht zur Umkennzeichnung von Fahrzeugen bei Wohnsitz- oder Halterwechsel aufgehoben, der neue Nachbar im Kiez bleibt also Schwabe und der Berliner muss kein Bayer mehr werden. BegrĂŒndung des obersten Autofahrers: „Der BĂŒrger spare bares Geld, ebenso die StĂ€dte und Gemeinden durch den Wegfall des bĂŒrokratischen Aufwands der Ummeldung.“ Ah ja, da kommt man jetzt also drauf? Man könnte fast meinen, das Verkehrsministerium hĂ€tte lange Weile. Zumal in den meisten LĂ€ndern der Welt regionale Kennzeichen ausgegeben werden und bei Umzug das Auto ein neues Nummerschild braucht, deutsche Politiker möchten hier nun das Rad neu erfinden.

Mit Ramsauers Neuregelung wird der Beschluss der Verkehrsministerkonferenz der LĂ€nder vom 18./19. April 2012 ĂŒber die bundesweite Kennzeichen-Mitnahme bei Wohnortwechsel umgesetzt. Bereits heute wird innerhalb einiger LĂ€nder entsprechend verfahren (z. B. Schleswig-Holstein, Hessen). Dies gilt sowohl fĂŒr den Wechsel des Wohnortes als auch fĂŒr den Halterwechsel. Das BMVBS hat deshalb vorgesehen, dass auch beim Verkauf eines Fahrzeuges in einen anderen Zulassungsbezirk der neue Halter das Kennzeichen nicht umtauschen muss. Der Bundesrat muss der Neuregelung noch zustimmen, also dĂŒrfen sich sogar noch unsere obersten Politiker mit der fixen Idee beschĂ€ftigen, ein Schalk wer ihnen auch noch lange Weile unterstellt.

Geplanter Start der Neuregelung soll der 1. Juli 2014 sein. Dann seien mit der Übernahme der Kfz-Steuer durch den Bund die nötigen Rahmenbedingungen geschaffen. Die Regelung hat keine Auswirkung auf die Kfz-Versicherung. Die Tarife richten sich weiter nach dem Wohnort. 2012 wechselten 600.000 Fahrzeughalter in einen anderen Zulassungsbezirk. 5,4 Millionen Fahrzeuge wurden in einem anderen Zulassungsbezirk auf einen anderen Besitzer umgeschrieben. Das macht 6 Millionen Ummeldungen allein in 2012 und somit 12 Millionen verkaufte Nummerschilder. Bei einem StĂŒckpreis von durchschnittlich 10 Euro (teilw. bis zu 15Euro) also insgesamt 120 Mio Euro Umsatz bei den Schilderdruckern, wovon der Staat ja satte 22,8 Mio Euro Mehrwertsteuer kassiert. Daneben dĂŒrften die örtlichen Zulassungsstellen an den Ummeldungen auch gut verdient haben, insbesondere bei der Vergabe Wunschkennzeichen, die fĂŒr zwei Mal am Computer tippen des Beamten mit 15 Euro extra berechnet wird. Aber gut, irgendwer wird sich bei der Neuregelung schon was gedacht haben…

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