Streit um Kältemittel: zweifeln auch BMW und Audi am teuren HFO 1234yf?

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Warnschild "leicht entz√ľndlich"Der Streit um die Sicherheit des neuen K√§ltemittels f√ľr Klimaanlagen im Auto ist durchaus etwas undurchsichtig. Daimler hatte im September 2012 √ľber eintausend Fahrzeuge zur√ľckgerufen, da sich das neue K√§ltemittel HFO 1234yf bei simulierten Unf√§llen nach Unternehmensangaben im Motorraum entz√ľndet und giftige Gase freigesetzt hat. Der Stuttgarter Autohersteller weigert sich seit dem, das neue K√§ltemittel einzusetzen, das weniger zur Erderw√§rmung beitragen soll. Daraufhin gr√ľndeten 13 Autobauer eine Arbeitsgruppe, um die Sicherheit des K√§ltemittels zu untersuchen. Die Zeit dr√§ngt, denn die EU verlangt, dass nur noch das neue K√§ltemittel ab 2013 in Klimaanlagen eingesetzt wird. Bei Mercedes sind bereits die neue A- und B-Klasse mit dem neuen Klimastoff zertifiziert – das alte HFC-134a darf daher in diesen Modellen gar nicht eingesetzt werden.

Mittlerweile drohte man Daimler bereits hohe Strafen an, wenn man sich in Stuttgart weiterhin gegen die neue Substanz stelle und sie nicht wie vorgeschrieben ab 2013 verwende. Daimler wollte aber noch die Auswertungen der laufenden Untersuchungen abwarten, so weit ist jedoch nicht gekommen. Denn vor weinigen Tagen haben die Daimler-Ingenieure die Expertengruppe des Weltverbands der Automobilingenieure (SAE) verlassen. Und nicht nur das: auch die Vertreter von BMW und Audi haben das Gremium vorzeitig verlassen. Berichten zufolge gen√ľgen den deutschen Autobauern die angewandten Test-Methoden der SAE-Gruppe nicht, um zu einer endg√ľltigen Einsch√§tzung der Sicherheit des K√§ltemittels zu gelangen. Die SAE hat nun allerdings einen Bericht vorgelegt und bescheinigt¬†HFO 1234yf¬† „einen hohen Grad an Sicherheit“.¬† Daneben wird darauf hingewiesen, dass die¬†Sicherheitsbedenken bez√ľglich der Brennbarkeit des Mittels unbegr√ľndet seien. Die Tests bei Daimler w√§ren „unrealistisch“ und unter „extrem idealisierten Bedingungen“ durchgef√ľhrt worden.

Nachdenklich stimmt vor allem: Warum zweifeln scheinbar auch Audi und BMW am neuen K√§ltemittel, oder zumindest an der Testmethoden der SAE? Und warum steht die offenkundig gef√§hrliche Substanz √ľberhaupt zur Debatte? Im Jahr 2007 hatte die gesamte deutsche Autoindustrie HFO 1234yf als neues K√§ltemittel abgelehnt und sich f√ľr das g√ľnstige und √§u√üerst wirksame CO2 entschieden. Dass HFO-1234yf sicher ist, schien zudem sogar dem¬† Hersteller, der US-Chemiekonzern Honeywell, eher unwahrscheinlich. Medienberichten zufolge mischte Honeywell dem 2006 vorgestellten „Fluid H“ ein zus√§tzliches Feuerl√∂schmittel bei, um die Entz√ľndbarkeit der umstrittenen Substanz HFO-1234yf zu senken. Die Idee war gut, doch kurze Zeit sp√§ter geriet das Feuerl√∂schmittel unter Verdacht am Ozonabbau in der Stratosph√§re beteiligt zu sein.

Dass HFO-1234yf gegen alle Bedenken international als K√§ltemittel zugelassen wurde, ist nach Ansicht von Branchenexperten geschickter Lobbyarbeit und der Verflechtung von Chemie- und Autoindustrie geschuldet. Die Vermutung: Die Autobauer kaufen bei Honeywell und Dupont nicht nur K√§ltemittel ein, sondern auch einen gro√üen Teil ihrer Kunststoffe ‚Äď und wollen das auch in Zukunft tun. So l√§sst sich eigentlich nur erkl√§ren erkl√§ren, warum der deutsche Automobilverband VDA im Jahr 2009 seine Selbstverpflichtung f√ľr das K√§ltemittel CO2 zur√ľcknahm und sich f√ľr das teure, patentierte US-Mittel entschied. Die Begr√ľndung des VDA: die Technik zur Nutzung von CO2 als K√ľhlmittel sei teurer und somit nicht zukunftsf√§hig. Dass CO2 als Rohstoff allerdings erheblich billiger ist als das k√ľnstlich produzierte Honeywell-Produkt wurde nicht weiter ber√ľcksichtigt.

Wenn Honeywell wie vermutet mittels ordentlicher Lobbyarbeit sogar die Lobbyisten vom VDA umgekrempelt hat, dann sollte man wahrscheinlich auch mal die Entscheider der EU-Kommission beleuchten.

 

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