Schon gefahren – Mercedes C 63 AMG Coupé Black Series

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Frei nach unserem neuen Bundespräsidenten kann ich nur sagen: „es war ein schöner Sonntag!“ Bereits am Samstag erspähte ich vor der Praxis des Arztes meines Vertrauens dieses Testosteronpaket: tief, breit, bullig – ein Mercedes Benz C 63 AMG Coupé Black Series! Und ich konnte es mir einfach nicht nehmen lassen und fragte nach einem Termin für Sonntag, natürlich nicht zur allgemeinen Vorsorgeuntersuchung, nein – dieses Mal möchte ich untersuchen. Aber um ehrlich zu sein, ein bisschen Angst hatte ich auch vor diesem Termin. Immerhin hämmert der C 63 517 PS an die Hinterachse.

Sonntag, 13:00 Uhr, traumhaftes Frühlingswetter und der Doc kommt wie verabredet zum Hausbesuch. Das steht es nun – dieses grimmige Gerät, welches ausschließlich aus Lufteinlässen zu bestehen scheint. Schwarze Luftgitter zieren fast jedes Karosserieteil und die Front macht den Eindruck, als würde beim nächsten Gasstoß die Luft um einen komplett weggesogen. Dezente Schriftzüge auf den Flanken deuten auf ein Höllenfeuerwerk unter der kantigen Haube. Diese C-Klasse befeuert ein 6,2 Liter (6208 Kubik) großer V8, der mit satten 620 Newtonmetern so stark Richtung 19-Zoll-Hinterräder drückt, dass das Hinterachsgetriebe aktiv gekühlt werden muss (optional). Daimler gibt 4,2 Sekunden für den Sprint von null auf hundert an, das Ende der Beschleunigungsarie wird bei 300 km/h begrenzt. Für knackige Verzögerungswerte sorgen 390 mm Scheiben mit Sechskolbenzangen an der Vorderachse und 360er an der Hinterachse.

Doch genug der grauen Theorie – ich werde ins Behandlungszimmer gebeten. Die Ausstattung: aufgeräumt, sportlich. Platz nehme ich in einem komfortablen Schalensitz, davor ragt mir die unten abgeflachte Steuerzentrale mit Schaltwippen und abgesetztem Wildleder entgegen. Weitere Fahrgäste sind unerwünscht, die Rückbank wurde durch schlichte Veloursabdeckungen ersetzt. Gestartet wird recht unspektakulär – Schlüssel rein und – ja nee, nix da Fingerabdruck scannen, Kippschalter umlegen und Startknopf drücken – einfach rumdrehen und den V8 zünden. Erste Gasstöße offenbaren: AMG fackelt nicht lange und führt die Abgase schnörkellos und direkt nach aussen, kein Soundgetüftel, kein Schischi-Klappenauspuff – der Black Series klingt durchweg einfach nur brutal (geil). Ausgeblasen wird durch vier eckige Endrohrverblendungen, die seitlich im großen Heckdiffusor sitzen.

Geschaltet wird über ein Siebenstufen-Automatikgetriebe, welches dank nasser Anfahrkupplung spontan reagieren soll. Im „Rollbetrieb“ geht’s sanft los und alles fühlt ziemlich smooth an. Doch das geht auch anders, weitere Schaltmodi (vier) werden über ein kleines Drehrad auf der Mittelkonsole eingestellt, ich entscheide mich für „S+“, die Gangwechsel benötigen jetzt nur 100 Millisekunden. Kräftig aufs Gas getreten sind mir die Schaltzeiten aber fast egal – ich genieße die drückenden G-Kräfte und dieses schöne „dreckige Auspuffrotzen“ bei jedem Schaltvorgang. Apropos G-Kräfte: welche Kräfte auf mich wirken zeigt das Zentraldisplay auf Wunsch an, daneben spendiert AMG sogar eine Art „Rennstecken-Navi“ welches mir detaillierte Infos beim Fahren auf den Hot Spots liefert und speichert (ein bisschen Spielerei muss ja auch sein).

Mit dem Medicus auf dem Beifahrersitz geht’s über Landstraßen durchs Ländle. Das einstellbare Gewindefahrwerk fühlt sich dabei präzise aber nicht zu hart an, Seitenneigung existiert dank neuentwickelter Stabis so gut wie keine. Wem diese satte Straßenlage noch nicht reicht, der bekommt optional ein Aerodynamikpaket in Carbon. Darin enthalten sind Schwellerleisten, seitliche Frontflipper und ein riesiger Heckflügel. Damit wirkt die Monster-C-Klasse noch mal um einiges aggressiver und fetter. Fett ist der AMG ohnehin schon, die größere Spurweite ließ die Kotflügel vorne um 28 Millimeter je Seite wachsen, hinten sogar um 42 Millimeter je Seite. Meine Frage nach dem Kaufpreis wird vom Doktor lapidar beantwortet: „die Bundespräsidenten-Pension reicht locker“. Ab 115.430 Euro listet Daimler das C 63 AMG Coupé Black Series. Das Arztgehalt reicht aber scheinbar auch…

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