Rolls-Royce Dawn – mehr Luxuscabrio geht nicht

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Rolls-Royce Dawn – Das Flaniervehikel mit Aufmerksamkeitsgarantie

Eigentlich ist jeder Aspekt des Rolls-Royce Dawn eine Ăśbertreibung. Und so muss es wohl sein, wenn man eine halbe Million investiert – ob in ein Haus, ein Boot oder ein Auto. Die Umgebung hat Anerkennung zu zollen – und tatsächlich ist der Rolls-Royce Dawn völlig unĂĽbersehbar. Auffälliger geht es nicht. Auch wir haben das – zeitweise – bei unseren ausgiebigen Testtouren genossen.Rolls-Royce Dawn (Foto: Rolls-Royce)

Warum überhaupt ein Cabriolet, dass auf der Ghost-/Wraith-Familie basiert? Reicht im Programm nicht das Phantom Drophead Coupe, das noch besser in die Tradition passt, die einst jahrzehntelang mit dem Corniche hochgehalten wurde? Vielleicht, aber das Phantom Drophead Coupe läuft aus, erst 2018 soll ein Nachfolger mit Vollalu-Karosserie kommen. Bis 2018 bleibt der Dawn daher die einzige Möglichkeit, einen offenen Rolls-Royce zu fahren.

Ohnehin behauptet Rolls-Royce, dass der Dawn nicht mehr viel mit Ghost und Wraith zu tun hat. Zwei Drittel der Karosserie seien eigenständig, die Verwandtschaft manifestiere sich vor allem unter dem Blech. Und dort stört sie nicht im geringsten. Denn für das einzigartige Gefühl, in einem Dawn unterwegs zu sein, sind eben vor allem die Äußerlichkeiten verantwortlich. In allererster Linie die immer wieder überraschend nach vorn öffnenden Türen mit ihrer imposanten Innenverkleidung aus Holz und Leder. Ansonsten entspricht das Interieur in vielen Punkten dem Wraith, und es gibt reichlich Platz für vier – vor allem, wenn das üppig gepolsterte Verdeck geöffnet wird.Rolls-Royce Dawn - suicide doors

Allerdings ist die Darstellung des Infotainment-Systems im Rolls-Royce Dawn unschwer als nachkolorierte Variante der bekannten Einheit aus profanen BMW-Typen erkennbar, und auch die Vielzahl an Knöpfen, die im Interieur verstreut sind, erinnert schon auf den ersten Blick an aktuelle BMW-Modelle. Wie man hier aufräumt, machen derzeit beispielsweise Volvo und Tesla überzeugend vor. Dem unerhört opulenten Gesamteindruck sind die BMW-Bezüge dennoch kaum abträglich: Luxuriöser kann man nicht reisen.Rolls-Royce Dawn - Cockpit (Foto: Rolls-Royce)

Rolls-Royce Dawn – eindeutig mit Liebe zum Automobil gebaut

Die Sitze sind gepolstert wie fĂĽr eine Reise um die ganze Welt, und in jeder der verfĂĽgbaren Konfigurationen ist die Qualität der Hölzer und Ledersorten ĂĽber jeden Zweifel erhaben. Jede Fläche im Rolls-Royce Dawn ist liebevoll verarbeitet, jedes Bauteil zeugt von sorgsamer Bearbeitung – mit Ausnahme vielleicht des Lenkrades, das etwas zu viel Plastik zeigt. Kenner wissen natĂĽrlich, dass Rolls-Royce bei den Bauteilen nicht so aus dem Vollen schöpft wie beim Phantom. Doch der Eindruck ist so ĂĽberzeugend, dass man sich wĂĽnschen wĂĽrde, BMW wĂĽrde bei seinen Spitzenmodelllen ein wenig mehr „Rolls-Royce“ walten lassen.Rolls-Royce Dawn - Innenausstattung (Foto: Rolls-Royce)

Die reinen Fahrleistungen sind tradtionell ein vernachlässigenswerter Aspekt, wenn man einen Rolls-Royce bewegt. SchlieĂźlich bezeichnete man die Leistung jahrzehntelang lediglich als „genĂĽgend“. Doch der Antrieb des Rolls-Royce Dawn ist es wert, gewĂĽrdigt zu werden. Als Rolls-Royce der Neuzeit ist der Dawn mit einem V12-Biturbo bestĂĽckt und dabei soll es auch bleiben: Eine vollelektrische Variante ist vom Tisch. Die Maschine leistet 570 PS und produziert 780 Newtonmeter Drehmoment. Man wird kaum jemals mehr als die Hälfte der Krafreserven nutzen, es sei denn bei Vollgas-Orgien auf der Autobahn, die dazu dienen, die Hierarchien klarzustellen. Die Acht-Gang-Automatik schaltet so unauffällig, dass sie glatt als stufenloses Getriebe durchgehen könnte. Und die Maschine arbeitet praktisch lautlos.

Rolls-Royce Dawn – selbst schweben wäre noch zu holprig formuliert

Dazu passt ein Fahrwerk, das Fahrbahnunebenheiten praktisch komplett neutralisiert. Man rollt ĂĽber Schlaglöcher hinweg, die andere Autos erheblich aus der Ruhe bringen – etwas, was beim Dawn praktisch völlig unvorstellbar scheint.Rolls-Royce Dawn - Heck (Foto: Rolls-Royce)

Wir empfehlen also, das Verdeck zu versenken, um gesehen zu werden. Dem Fahrkomfort ist dies keineswegs abträglich: Auch bei 140 km/h lässt sich locker eine gedämpfte Konversation fĂĽhren, egal ob ĂĽber den Beitrag eines „Brexit“ zur Glorie des Empire oder ĂĽber die passende Wasserqualität fĂĽr den Swimming Pool an der sĂĽdfranzösischen Villa.

Dass der Rolls-Royce Dawn seine historische Modellbezeichnung erhielt, ist übrigens durchaus unbescheiden: Er soll an den klassischen Rolls-Royce Silver Dawn erinnern. Doch im Gegensatz zu diesem ist seine Karosserie bar jener Kurven und Schwünge, die das historische Vorbild auszeichneten. Das streng gezeichnete Kleid des aktuellen Rolls-Royce Dawn enthüllt kaum etwas von seiner schönen Persönlichkeit; vor allem das Heck wirkt geradezu flach. Immerhin bieten die Auswahlmöglichkeiten für Farben, Polster und Dekor endlose Variationen für Exzentriker.

Und diese dĂĽrften den Rolls-Royce Dawn auch fĂĽr die starke Konkurrenz uneinholbar seine Bahnen ziehen lassen. Aston Martin Vanquish Volante, Bentley Continental GTC und Mercedes-Benz S-Klasse Cabrio bedienen mit ihren Eigenarten ganz andere Charaktere.

Rolls-Royce Dawn technische Daten

Länge x Breite x Höhe (m): 5,29 x 1,95 x 1,50
Radstand (m): 2,93
Motor: V12-Benziner, 6.592 ccm, Biturbo
Leistung: 420 kW / 570 PS bei 5.250 U/min
Max. Drehmoment: 780 Nm bei 1.500 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h (abgeregelt)
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 4,9 Sek.
ECE-Durchschnittsverbrauch: 14,2 Liter
CO2-Emissionen: 330 g/km (Euro 6)
Leergewicht: 2.560 kg
Preis: 329.630 Euro

(Quelle: ampnet, Autor: Jeff Jablansky, cen)

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