Minister Niebel fordert E10-Stopp: Sommerloch-Politik oder Einsicht, dass landwirtschaftliche Flächen ausschließlich der Nahrungsmittelherstellung dienen sollten?

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Angesichts steigender Agrarpreise, Dürren und Hungersnöte hat Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel einen „vorübergehenden“ Verkaufsstopp von E10-Benzin an deutschen Tankstellen gefordert. Die Welthungerhilfe begrüßte den Vorschlag. Niebel sprach sich dafür aus, statt wertvoller Nahrungsmittelpflanzen Restprodukte für die E10-Herstellung zu nutzen. Hier sei die Forschung gefragt.

Mit der Beimischung von bis zu zehn Prozent Ethanol beim Superbenzin wollte die Bundesregierung CO2-Vorgaben der EU erfüllen. Autofahrer in Deutschland lehnen den so genannten Biosprit ohnehin weitgehend ab und greifen stattdessen mehrheitlich weiterhin zum teureren E5.

Der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) hat den von Niebel geforderten Verkaufsstopp für E10 als „Symbolpolitik“ bezeichnet. Ein solcher Schritt trage nicht zur Verbesserung der Ernährungssituation weltweit bei, sagte VDIK-Präsident Volker Lange. Er sieht in dem Vorschlag eine Verunsicherung der Verbraucher.

Der VDIK weist darauf hin, dass der sehr niedrige Anteil von E10 mit aktuell nur rund 14 Prozent am Benzinabsatz ein weiterer Beleg dafür sei, dass ein Verkaufsstopp reiner Aktionismus wäre. Im Übrigen enthalten bis auf bestimmte Premiumkraftstoffe alle Ottokraftstoffe bis zu fünf Prozent Ethanol, erinnert der Verbandspräsident der Fahrzeugimporteure.

Selbstverständlich müssten Biokraftstoffe nachhaltig erzeugt werden und dürften keinesfalls negative Folgen für die Umwelt und die Lebensmittelproduktion haben, betonte Lange. Die Lösung der Problematik könne mittel- bis langfristig nur darin bestehen, Biokraftstoffe der folgenden Generationen schnellstmöglich einzuführen, die nur den Teil der Pflanzen verwenden, der nicht für die Nahrungsmittelproduktion geeignet ist. Mit dieser Trennung von „Ähre und Stängel“ werde eine Konkurrenz zu Nahrungsmitteln wirkungsvoll verhindert.

Unterm Strich sind in Puncto Biokraftstoff Politik und Forschung schon längst gefragt. Für Bauern sollte auf politischer Ebene der Anreiz der Nahrungsmittelproduktion gefördert werden und daneben die Forschung vorangetrieben werden, um die Möglichkeiten der bisherigen Reststoffverwertung aus der Agrarwirtschaft zu steigern. Und das alles langfristig und mit Weitsicht – und nicht nur „vorrübergehend“.

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