Lotus Evora 400 – Porsche auf Britisch

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Der Lotus Evora 400 zĂ€hlt auf deutschen Straßen definitiv zu den automobilen Exoten. Meist ist der britische Sportwagen Dritt- oder Viertfahrzeug in betuchten Fuhrparks, die nicht selten bereits mit ein, zwei Porsche 911 eigentlich ganz ordentlich bestĂŒckt sind. Deren Eigner möchten neben den Elfern aber irgendwie „noch was anderes“ in der Garage haben und der Lotus Evora 400 bietet sich dabei durchaus als 911-Alternative an. Denn nicht nur mit seinem 3,5-Liter-Motor, 406 PS und 300 km/h Spitzengeschwindigkeit spielt er nicht nur in der Zuffenhausener Liga, auch mit seinem Preis von rund 100.000 Euro ist die Zielgruppe recht klar definiert.Lotus Evora 400 (Foto: Jens Riedel)

Das seitlich abgeflachte Lenkrad steht steil und nah am Fahrer und ist nur höhen- und nicht tiefenverstellbar. Ergonomischen Schnickschnack spart sich die englische Marke auch beim Schalthebel: Er ist schlicht kugelrund, die immer noch einfachste, aber eben auch beste Lösung. Die Sitze bieten perfekten Seitenhalt. Weniger geglĂŒckt ist die Positionierung des rechten Außenspiegels, dessen obere linke HĂ€lfte schlicht von der A-SĂ€ule verdeckt wird. Eine Augenweide ist hingegen die Bedieneinheit in der Mittelkonsole fĂŒr die Klimaanlage. Drei große Drehschalter regeln GeblĂ€sestĂ€rke, Temperatur und die Luftverteilung.Lotus Evora 400 (Foto: Jens Riedel)

Wer den Blick durch den Innenspiegel nach hinten wirft, schaut durch das trapezförmige Heckfenster, dessen Sichtfeld zur HĂ€lfte vom Triebwerk eingenommen wird. Ein Auge wird dennoch immer wieder gerne nach hinten riskiert, ist dort doch prominent der Gaszug platziert, dem man beim Öffnen und Schließen der Drosselklappe zuschauen kann. FĂŒr profane Dinge wie rĂŒckwĂ€rtiges Einparken gibt es ja die RĂŒckfahrkamera mit FĂŒhrungslinien und verschieden farbigen Pylonen im Display.

Der dumpf röhrende Klang wird in den Fahrmodi „Sport“ und „Race“, der sĂ€mtliche Fahrhilfen abschaltet, noch einmal hörbar nachgewĂŒrzt. Aber auch im Normalbetrieb – in dem sich der Evora zwar potent, aber nicht aufdringlich, sondern gentleman-like akustisch auffallend zurĂŒckhaltend gibt – lĂ€sst sich der schĂ€rfere Sound einfach per Knopfdruck am Klappenauspuff abrufen.Lotus Evora 400 (Foto: Jens Riedel)

Die GassenfĂŒhrung des Schalthebels ist extrem prĂ€zise, wobei die Gangwechsel von einem leichten und angenehmen mechanischen Klacken begleitet werden. Die Leistungsentfaltung des unter Glas zur Schau gestellten und vor der Hinterachse platzierten Kompressormotors ist ebenso homogen wie beeindruckend. Ab 4.000 Umdrehungen in der Minute legt der V6 noch einmal gepflegt nach und wechselt vom Röhren ins Fauchen. Die Spitzenleistung ist erst bei 7.000 Kurbelwellenrotationen erreicht, wenn auch der rote Bereich beginnt. Dabei beweist das Aggregat durchaus Manieren. Es lĂ€uft erstaunlich kultiviert und weich, und der Evora kann auch untertourig knapp ĂŒber Leerlaufdrehzahl gefahren werden. dennoch sollten 13 Liter pro 100 Kilometer schon einkalkuliert werden, wobei nach oben noch Spielraum besteht

Das sehr sportlich ausgelegte ESP des Hecktrieblers lĂ€sst gut kontrollierbare Drifts zu. Die Lenkung ist ebenso leichtgĂ€ngig wie prĂ€zise. Die Bremsen sprechen ebenso direkt an. Bei aller gebotenen Straffheit des Fahrwerks ist die DĂ€mpfung erstaunlich kommod, denn auch Lotus weiß, dass die erlauchte Kundschaft nicht stĂ€ndig auf der Rennstrecke unterwegs ist. Den Alltagsnutzen der beiden hinteren Sitze darf man hingegen nicht ĂŒberbewerten. Klassifiziert ist der flotte EnglĂ€nder als 2+2-Sitzer, wobei die beiden FondplĂ€tze eigentlich nur aus je zwei Polstern bestehen. Aber das Dach hat ohnehin nur wenig mehr als Schulterhöhe – und auch der Nachwuchs dĂŒrfte sich ĂŒber die so gut wie nicht vorhandene Beinfreiheit beklagen. Aber eine große zusĂ€tzliche Ablage im Auto kann ja grundsĂ€tzlich nicht schaden. Außer schmalen und niedrigen TĂŒrfĂ€chern gibt es immerhin links vom Fahrer noch ein Fach fĂŒrs Smartphone.Lotus Evora 400 (Foto: Jens Riedel)

Die wichtigste Fahrhilfe im Evora ist ĂŒbrigens das Navigationssystem von Alpine. Es weist freundlicherweise immer auch auf das gerade geltende Tempolimit hin, sobald es um zehn Stundenkilometer ĂŒberschritten wird. Danke, Alpine. (Jens Meiners, ampnet)

Technische Daten Lotus Evora 400

LÀnge x Breite x Höhe (in m): 4,39 x 1,85 x 1,24
Radstand (m): 2,58
Motor: V6-Benziner, 3.456 ccm, Kompressor
Leistung: 298 kW / 406 PS bei 7.000 U/min
Max. Drehmoment: 410 Nm bei 3.500 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 300 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 4,2 Sek.
Getriebe: 6 Gang
ECE-Durchschnittsverbrauch: 9,7 Liter
CO2-Emissionen: 225 g/km
Effizienzklasse: G
Leergewicht: 1.395 kg
Basispreis: 96.000 Euro
Testwagenpreis: 106.250 Euro

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