Kraftstoff(politik): Wie geht’s dem Diesel weltweit?

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    Common-Rail-Technik für leise und sparsame Dieselaggregate. (Foto: Bosch/news2do.com)Während der Dieselantrieb in Deutschland nach wie konstant nachgefragt wird und die Augenhöhe mit dem Benziner monatlich immer nur um rund drei Prozentpunkte oder im letzten halben Jahr um insgesamt etwa 55.000 Fahrzeuge verfehlt wurde, gewinnt er auch auf anderen Märkten stetig an Bedeutung. Wie sich der Selbstzünder in wichtigen Absatzregionen entwickelt, hat Bosch in einer entsprechenden Marktanalyse zusammengefasst.

 

USA: Dieselboom bahnt sich an
In den USA besetzt der Diesel bei den Pkws noch eine Nebenrolle. Lediglich ein Prozent beträgt dessen Anteil bei den Neuzulassungen. Doch das könnte sich bald ändern, wenn das Angebot an Dieselmodellen stark zunimmt und der Selbstzünder sein durch die Trucks und deren zweckmäßige Tankoasen entstandenes Schmuddel-Image ablegt. Bosch hält einen Diesel-Marktanteil von zehn Prozent bei Light Vehicles bis zum Jahr 2018 für realistisch.

Geändert haben sich auch die Rahmenbedingungen, die den Dieselabsatz antreiben könnten. So sieht die neue Abgasgesetzgebung zukünftig eine verbrauchsorientierte Besteuerung vor. Gleichzeitig wuchs der US-Markt 2012 um 13,3 Prozent (Light Vehicles).

Auffallend auch die Änderungen der Pkw-Modellpalette. Mehrere europäische Fahrzeughersteller verkaufen hier bereits moderne Diesel-Technik im Pkw. Seit 2013 bieten auch US-Hersteller nach langer Zeit wieder Selbstzünder an. Der schwäbische Zulieferer rechnet bis 2017 mit rund 60 Diesel-Modellen in Nordamerika. Ein aktuelles Beispiel ist der Chevrolet Cruze. Für ihn liefert Bosch neben dem Diesel-Einspritzsystem auch Abgasnachbehandlung, Motorsteuerung, Keramikglühkerzen und Sensoren.

Gut 45 Prozent aller leichten Nutzfahrzeuge weltweit wurden 2012 in Nordamerika zugelassen. Global gesehen wurden 2012 rund 14 Prozent aller schweren Nutzfahrzeuge in den USA und Kanada zugelassen. Betrachtet man nur den nordamerikanischen Markt, dann zeigt sich: Schwere Nutzfahrzeuge fahren dort fast ausschlieĂźlich mit Diesel.

China: Fortschrittliche Technik „verordnet“
China repräsentiert aktuell nur ein Prozent des weltweiten Diesel-Pkw-Marktes. Mit der seit 1. Juli 2013 in Kraft getretenen Emissionsgesetzgebung China 4 müssen Nutzfahrzeuge bessere Emissionswerte liefern. Das sollte fortschrittlicher Dieseltechnik wie Common-Rail-Systemen auch im Reich der Mitte Wachstumschancen eröffnen.

Hinzu kommt, dass die Motorisierung in China derzeit noch in den Kinderschuhen steckt. Zurzeit kommen etwa 37 Pkws auf 1.000 Einwohner (Stand 2012); in der EU sind es durchschnittlich 500 Fahrzeuge. Angesichts einer stabil wachsenden Wirtschaft schlummert hier hohes Potenzial.

Indien: Dieselnation auf dem Weg in die Stadt
Nach Europa war Indien 2012 mit 15 Prozent weltweitem Anteil der zweitgrößte Markt für Diesel-Pkws. Aktuell machen Dieselfahrzeuge zwar mehr als die Hälfte aller neu zugelassenen Pkws aus, doch ist der Fahrzeugbestand relativ gering. Anfang 2012 besaßen lediglich 16 von jeweils 1.000 Indern ein Auto.

Mit der voranschreitenden Urbanisierung wird sich nicht nur die Infrastruktur verändern, sondern auch die Fahrzeugnachfrage steigen. Momentan leben etwa 30 Prozent der indischen Bevölkerung in städtischen Gebieten, bald sollen es 40 Prozent sein. Durch den erhöhten Binnentransport und ausgedehnten Handel wird ebenfalls die Bedeutung des Diesels deutlich zunehmen.

Ăśbrigens sorgt in Indien der Monsun-Regen regelmäßig fĂĽr einen deutlichen Aufschwung der Landwirtschaft und damit auch fĂĽr eine Absatzsteigerung von Traktoren. In Indien werden auch weltweit am meisten „Three Wheeler“ fĂĽr Transportaufgaben und Traktoren gefertigt.

Brasilien: Dieselverbot fĂĽr Pkws
In Brasilien sind der Verkauf und die Verwendung von Diesel-Pkws verboten. Stattdessen sind Ethanol- und FlexFuel-Fahrzeuge weit verbreitet, die reines Ethanol beziehungsweise Ethanol und Benzin tanken können (FlexFuel).

Grundsätzlich sind Fahrzeuge durch Einfuhrbestimmungen und Besteuerung sehr teuer, sodass nur etwa 200 Fahrzeuge pro 1.000 Einwohner registriert sind. Autos genießen in Brasilien den Status eines Luxusgutes.

Ganz anders stellt sich das Nutzfahrzeuggeschäft dar. Hier ist der Diesel bei leichten Nutzfahrzeugen mit etwa 40 Prozent vertreten, und die schweren Lkws werden nahezu zu 100 Prozent vom Selbstzünder angetrieben.

Japan: Stadt statt Diesel
Zwar hat der japanische Pkw-Markt in den letzten Jahren bei den Neuzulassungen von Dieselfahrzeugen zugenommen, doch liegt Pkw-Dieselanteil insgesamt noch unterhalb von einem Prozent. 2009 war die Mercedes E-Klasse hier die einzige Diesellimousine am Markt; inzwischen gibt es mehr als ein Dutzend Modelle unterschiedlicher Hersteller.

Stark nachgefragt sind allein schon wegen der dichten Infrastruktur auf den japanischen Inseln und des überwiegenden Stadtverkehrs alternative Technologien wie Hybrid- und Elektrofahrzeuge. Seit Dezember 2011 wird diese Antriebsart von der Regierung gefördert.

Bei leichten Nutzfahrzeugen liegt der Dieselanteil bei etwa zehn Prozent, fast alle schweren Vehikel haben Dieselantriebe.

Europa: Drei Viertel aller neuen Diesel werden hier gekauft
Europa ist der traditionelle Dieselmarkt mit bereits hohen Dieselmarktanteilen und dementsprechend moderaten Wachstumschancen. 2012 wurde jedes zweite neu zugelassene Dieselfahrzeug (Pkw, Nutzfahrzeuge) der Welt in Europa registriert. Im Pkw-Segment entfielen sogar zwei Drittel der weltweiten Neuzulassungen auf Europa.

Die meisten Dieselfahrzeuge werden in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und GroĂźbritannien verkauft.

Gerade im stark wachsenden Segment der SUVs greifen Autokäufer fast ausschließlich zum Selbstzünder. 2012 lag der Diesel-Marktanteil im Segment Large/SUV bei etwa 80 Prozent.

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