IAA 2013: Concept Cars – Auf Urlaub von der Wirklichkeit.

0

Bundeskanzlerin Merkel auf der IAA (Quelle: Opel/ampnet)Publikum und Produzenten betrachten eine Automesse wie die IAA aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Die potenziellen Kunden interessiert, was ist, die Hersteller, was sein k├Ânnte. Kunden wollen wissen, welche neuen Autos sie kaufen und fahren k├Ânnen, die Hersteller denken an die n├Ąchste und ├╝bern├Ąchste Generation. Deshalb gibt es Concept Cars und Studien. Was als Serienmodell auf der IAA steht, ist nicht mehr zu stoppen und quasi zum Erfolg verdammt. Dreistellige Millionenbetr├Ąge kostet die Entwicklung eines neuen Modells heute mindestens, weshalb die Unternehmen sicher gehen wollen, womit ein Erfolg bei der Kundschaft zu erzielen ist. An Konzeptautos und was aus ihnen wird, ist nicht selten der Mut abzulesen, mit der eine Firma ihre Gesch├Ąfte betreibt. W├Ąhrend die einen ihre Studie mit nur wenigen Retuschen in die Serie umsetzen, wird anderswo ein verwegener Designentwurf bis zur Beliebigkeit abgeschliffen ÔÇô manchmal sogar innerhalb eines Konzerns.

W├Ąhrend die 2009 in Genf gezeigte Nissan-Studie Qazana sehr bald danach als Modell Juke in Serie ging, verlie├č die Sch├Âpfer des Renault Captur Concept nach der Pr├Ąsentation der aufregenden Studie in Genf 2011 offenbar die Zuversicht. Das Serienmodell mit dem gleichen Namen ist allenfalls als hochbeiniges Clio-Derivat wahrzunehmen. Versuchsballons in Gestalt von Designstudien und Konzeptautos gibt es auch diesmal reichlich auf der IAA, hier eine kleine Auswahl.

Erneut ist es die Marke Renault, die sich mit durchaus sehenswerten Studien profiliert. Wie viel von dem, was Designchef Laurens van den Acker und sein Team entworfen haben, jemals in Kundenh├Ąnde ger├Ąt, steht auf einem ganz anderen Blatt. Der Entwurf Initiale Paris soll einen Ausblick auf die Zukunft der Gro├čraum-Limousine Espace geben. Laut Renault verk├Ârpert das Auto ÔÇ×die genussvolle Lebensphase der Weisheit und Gelassenheit des AltersÔÇť. Dazu verbinde es modern interpretierte SUV- und Van-Merkmale mit dem luxuri├Âsen Komfort einer Oberklasse-Limousine. Mit nur 4,25 Metern L├Ąnge ├╝berschaubar kurz, aber auch ger├Ąumig, ist die Studie R-Space. Sie soll den Bed├╝rfnissen nach sportlicher Attit├╝de eines j├╝ngeren Publikums Rechnung tragen. Das Fahrzeug hat gegenl├Ąufige T├╝ren und k├Ânnte mit einem Drei-Zylinder-Motor mit 900 ccm Hubraum ausgestattet sein.

Renault R Space (Quelle: Renault)

Nicht weit davon entfernt steht in Frankfurt der Subaru Viziov Concept. Unter der modern, aber nicht gerade revolution├Ąr gestalteten Oberfl├Ąche eines hochbeinigen Zweit├╝rers verbirgt sich dabei ein innovatives Antriebskonzept. Nat├╝rlich will der Hersteller mit der Studie seine Allradkompetenz untermauern, weshalb ein Boxer-Diesel-Hybrid-System f├╝r Vortrieb sorgen soll. So etwas gibt es bisher nicht. Der Zweiliter-Turbodiesel ist mit einer stufenlosen Automatik und einem Elektromotor verblockt. Letzterer kann auch zur Stromerzeugung dienen. Zwei weitere Elektromotoren an der Hinterachse arbeiten v├Âllig unabh├Ąngig und sorgen nur f├╝r Antrieb.

ampnet_photoSubaru VIZIV.  Foto:     Auto-Medienportal.Net/Manfred Zimmermann _20130306_058415

Ganz auf die freundliche Tour kommt Nissan daher. ÔÇ×Friend-MEÔÇť haben die Entwickler den Viersitzer genannt, den Nissan bescheiden als ÔÇ×traditionelle Schr├ĄghecklimousineÔÇť beschreibt. Schmale bumerangf├Ârmige LED-Scheinwerfer, gegenl├Ąufig ├Âffnende T├╝ren, vier Einzelsitze und ein Zweiliter-Benzinmotor mit Hybrid-Unterst├╝tzung erscheinen jedoch alles andere als traditionell. Die Karosserie ist nur 4,54 Meter lang, der Radstand jedoch auf 2,7 Meter ausgelegt, was eine Menge Platz f├╝r etwaige Fondpassagiere verspricht.

Ein ganz anderes Kaliber repr├Ąsentiert da der Changan CS 95. Die chinesische Vision eines Full-Size-SUV misst stolze 5,38 Meter, also mehr als die meisten handels├╝blichen Pick-Ups. Changan Motors war 2011 der einzige chinesische Hersteller auf der IAA, der Stand im Obergeschoss der Halle 3 ist diesmal kaum prominenter platziert als vor zwei Jahren. Die mit 2,12 Metern angegebene Breite k├Ânnte das Aufsuchen eines Parkhauses erschweren. Das Fahrzeug hatte ebenso wie der Nissan Friend-ME auf der Autoshow im April in Shanghai Weltpremiere. Der Antrieb ist ebenfalls nach einem Hybrid-Konzept ausgelegt. Ein 3,5 Liter gro├čer V6 Motor steuert 245 PS und 317 Newtonmeter Drehmoment bei, w├Ąhrend der Elektromotor noch einmal 167 PS und 335 Newtonmeter drauflegt. Diese Kombination verspricht ordentlich Schubkraft, jedoch lassen die Dimensionen des CS 95 darauf schlie├čen, dass ein Fahrzeuggewicht von wenigstens 2,8 Tonnen zu bewegen ist.

Es ist schon lange her, dass Opel so viel Aufmerksamkeit auf sich zog und so viel Anerkennung erntete wie dieses Mal. Grund daf├╝r ist die Studie Opel Monza Concept, die den Namen des gl├╝cklosen Oberklasse-Coup├ęs aus den Siebzigern aufgreift. Damals kam dem mit viel Vorschusslorbeeren versehenen Auto die zweite ├ľlkrise in die Quere, k├╝nftig k├Ânnte ein elektrisch betriebener Monza mit einem Ein-Liter-Motor als Range Extender den Scheichs die lange Nase zeigen. Wie riesige Schwingen breiten sich die Fl├╝gelt├╝ren f├╝r jene aus, die den flachen Viersitzer besteigen wollen. Wer sich angesichts dieses eleganten Coup├ęs an den Entwurf Buick Riviera aus dem Jahr 2010 erinnert f├╝hlt, liegt vielleicht nicht so falsch, doch tut das der atemberaubenden Wirkung des neuen Monza keinen Abbruch. Anderslautende Meinungen als ÔÇ×unbedingt bauenÔÇť seien auf dem Stand nicht zu h├Âren gewesen, versichern hochrangige Opelaner ÔÇô aber wenn, dann bitte genau so.

Opel Monza Concept.  Foto:     Auto-Medienportal.Net/Manfred Zimmermann/Thomas Br├Ąunig

Nicht ganz so betagt wie der Name Monza ist die Bezeichnung NSX f├╝r einen Honda-Supersportwagen, doch die Mittelmotor-Studie ist schon fast so etwas wie ein Methusalem auf internationalen Pkw-Messen. Die Mitteilung ├╝ber einen baldigen Produktionsstart w├╝rde viele Fans erleichtern, die sehns├╝chtig auf einen Nachfolger des legend├Ąren ÔÇ×Nippon-FerrariÔÇť warten. Schon so gut wie fertig ist das Crossover-Modell Q30 von Infinity, das zwar immer noch den Beinamen Concept tragen muss, an dessen Umsetzung aber kaum jemand zweifelt. Vor allem junge Leute mit Aufstiegsw├╝nschen ins Premium-Segment sollen davon angesprochen werden.

Crossover lautet auch das Thema, mit dem Jaguar die Reaktion des Publikums testen m├Âchte. Unter dem Namen C-X17 wurde eine hochbeinige Kombi-Limousine enth├╝llt, deren modulare Monocoque-Architektur in Zukunft als Basis mehrerer k├╝nftiger Baureihen dienen soll. Als erstes Fahrzeug mit dem neuen Leichtbau-Konzept geht 2015 eine Limousine an den Start, die unterhalb des heutigen XF rangiert. Eine Serienproduktion der SUV-Studie erscheint ebenfalls wahrscheinlich, denn das Segment w├Ąchst stetig weiter und Jaguar hat ├╝ber die Schwestermarke Land Rover Zugriff auf bew├Ąhrte Allradtechnik. Als Motoren sollen neu entwickelte Vier-Zylinder-Aggregate eingesetzt werden, die durchweg weniger als 100 Gramm CO2 pro Kilometer emittieren.

Jaguar C-X17.  Foto:     Auto-Medienportal.Net/Manfred Zimmermann

Dass die Stra├čenkreuzer nach guter alter Manier keineswegs das Zeitliche gesegnet haben, beweist Cadillac mit der Studie Elmiraj (was etwa wie ÔÇ×elmiraaschÔÇť klingt). Der exakt 5207 Millimeter lange, viersitzige Elmiraj ist eine imposante Erscheinung und folgt stilistisch der Cabrio-Studie Ciel, die Cadillac 2011 pr├Ąsentierte ÔÇô beides Traumwagen, die mit perfekten Proportionen ganz selbstbewusst Luxus und Leistung pur verk├Ârpern. Als Antrieb gehen die Entwickler von einem 4,5 Liter gro├čen V8 mit 500 PS Leistung aus. Dank einer doppelten Turboaufladung k├Ânnten die Insassen auf die Schubkraft von 678 Newtonmetern vertrauen. Elektromotoren haben in diesem Auto statt Antriebs- und Komfortfunktionen, etwa bei den Fensterhebern oder der Sitzverstellung.

Cadillac Elmiraj.  Foto:     Auto-Medienportal.Net/Euromediahouse

Von europ├Ąischen Abgasnormen oder CO2-Limits ist die Phantasie der Entwickler also nicht im Mindesten angekr├Ąnkelt. ├ťber das zu erwartende Fahrzeuggewicht sagt die offizielle Pressemitteilung ebenso wenig aus wie ├╝ber den etwaigen Verbrauch. Das Wort ÔÇ×TraumwagenÔÇť d├╝rfte bei dieser Studie wohl den konkretesten Bezug zur Wirklichkeit haben.

KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT