Godzilla gibt Gas: Fahrbericht Nissan GT-R

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Nissan GT-R.  (Quelle: Auto-Medienportal.Net)Nein, es dĂŒrfte nicht allein das dumpfe Röhren aus den beiden Doppelendrohren gewesen sein, das den Passanten die Köpfe drehen ließ. Dieses Auto stammt zwar von einem Massenhersteller, ist aber selbst in Sportwagenkreisen eine Ă€ußerst seltene Erscheinung. Das Kraftfahrtbundesamt listet den Nissan GT-R wegen der geringen Zulassungszahlen gar nicht erst extra auf und so dĂŒrften es allenfalls 30 Exemplare sein, die im ersten Halbjahr in Deutschland einen KĂ€ufer gefunden haben.

Am Preis dĂŒrfte es nicht liegen, denn mit unter 100.000 Euro darf die japanische Sportskanone als SchnĂ€ppchen gelten. Von der Leistung her darf sich der GT-R beispielweise am Porsche 911 Turbo S messen, kostet aber nur die HĂ€lfte. Der Seltenheitswert der japanischen Rakete rĂŒhrt wohl vor allem am hierzulande fehlenden Image her, obwohl sich der GT-R in Fankreisen lĂ€ngst den Spitznamen Godzilla erworben hat.

Nissan GT-R.  (Quelle: Auto-Medienportal.Net)

Auch wenn er nicht unbedingt danach aussieht: Der Luftwiderstandsbeiwert betrĂ€gt hervorragende 0,26. Zwischen Frontlippe und mĂ€chtigem Heckspoiler erstreckt sich ein recht massiv wirkender Karosseriekörper mit flachem Greenhouse. Zwei Schlitze in der Motorhaube fĂ€cheln dem potenten Sechszylinder zusĂ€tzlich Luft zu, etwas AbwĂ€rme entweicht ĂŒber die seitlichen und farblich abgesetzten AuslĂ€sse, die an eine Sieben (auf der linken Seite gespiegelt) erinnern. Neben Stahl und Aluminium setzt Nissan beim GT-R auch an vielen Stellen Carbon ein.

Nissan GT-R.  (Quelle: Auto-Medienportal.Net)

Nun gut, innen geht es angesichts des Preises ein wenig gediegener zu, aber an der Umklammerung durch die belederten Recaro-Sportsitze gibt es ebenso wenig auszusetzen wie an dem zweifarbigen Lenkrad mit den perfekt platzierten Daumenkuhlen und dem an der richtigen Stelle dezent abgeflachten Kranz. Und natĂŒrlich ist auch das Armaturenbrett in Leder eingekleidet, wĂ€hrend einige Blenden in Carbon-Optik gestaltet sind. Der Wahlhebel des Sechs-Gang-Doppelkupplungsgetriebes erinnert ein wenig an einen Joystick und liegt gut in der Hand. In der Mittelkonsole stecken drei Wippschalter, mit denen sich das Fahrverhalten Ă€ndern lĂ€sst: Im Wintermodus „Save“ nimmt der Motor spĂŒrbar zurĂŒckhaltender Gas an, die Comfort-Einstellung fĂŒr die DĂ€mpfer sollte nicht ĂŒberbewertet und das ESP auf öffentlichen Straßen tunlichst nicht abgeschaltet werden.

Nissan GT-R.  (Quelle: Auto-Medienportal.Net)

Der GT-R kommt als 2+2-Sitzer daher. Aber hinten finden allenfalls SchoßhĂŒndchen ihr PlĂ€tzchen. Es mangelt im Fond nicht nur an der notwendigen Beinfreiheit – selbst mittelgroße EuropĂ€er mĂŒssen den Kopf einziehen, um nicht an die Heckscheibe zu stoßen. KopfstĂŒtzen sind da gar nicht erst vorgesehen, fĂŒr sie ist ohnehin kein Platz. Da dĂŒrften auch die Isofix-Befestigungen nicht viel mehr als eine reine Alibifunktion haben. Ungewöhnlich sind die horizontal liegenden und vertikal zu ziehenden TĂŒröffner innen.

404 kW / 550 PS und unter drei Sekunden fĂŒr den Sprint von null auf 100 km/h sind eine klare Ansage. Mit röhrigem, aber nicht zu aufdringlichem Ton schießt der GT-R wie an der Schnur gezogen nach vorne. Das Drehmomentmaximum von stolzen 632 Newtonmetern wird ĂŒber mehr als 2500 Umdrehungen lang gehalten. 220 km/h und mehr sind schnellerreicht. Auch danach schiebt der 3,8-Liter-Twin-Turbo unaufhaltsam weiter. Problemlos erreicht Godzilla morgens um 6 Uhr auf der dreispurigen A 2 kurz vor Hannover 270 und mehr auf dem Tacho. Offiziell ist erst bei 315 km/ Schluss.

Nissan GT-R.  (Quelle: Auto-Medienportal.Net)

Umgekehrt lĂ€sst sich der Nissan aber auch ĂŒberraschend sanftmĂŒtig fahren. Wer entsprechend feinfĂŒhlig mit dem Gaspedal umgeht, erlebt ein ganz ziviles Auto, dessen Doppelkupplungsgetriebe bereits bei 55 km/h in den sechste Gang wechselt. Der V6 sĂ€uselt dann leicht turbinenartig vor sich hin. Ungewöhnlich an diesem Auto ist auch die Auslegung der Bremsen. Sie sprechen ebenfalls ungemein weich an und bauen ihren Druck linear und wunderbar dosierbar auf. Der GT-R ist trotz Allrad als Hecktriebler ausgelegt. Nur wenn die Sensoren, beispielsweise auf nasser Fahrbahn, Schlupf registrieren, schaltet sich auch die Vorderachse zu.

Bei einem Normverbrauch von 11,8 Litern sind die von uns benötigten rund 14 Liter absolut akzeptabel. Allerdings wollen die Tankstellen gut ausgewĂ€hlt sein, denn Nissan schreibt fĂŒr den GT-R Benzin mit 100 Oktan (z.B. Shell V-Power und Aral Ultimate) vor – das darf aber auch gern sein bei einem Antriebsaggregat, das von Hand zusammengebaut wird und dessen Monteur seinen Namen auf einer Plakette im Motorraum hinterlĂ€sst. In unserem Fall geht der Dank an einen Mann namens Izumi Shioya.

Nissan GT-R.  (Quelle: Auto-Medienportal.Net)
Daten Nissan GT-R

LÀnge x Breite x Höhe (m): 4,67 x 1,90 x 1,37
Radstand (m): 2,78
Motor: V6-Biturbo, 3.799 ccm
Leistung: 404 kW / 550 PS bei 6.400 U/min
Max. Drehmoment: 632 Nm bei 3.200 – 5.800 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 315 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 2,7 Sek.
ECE-Durchschnittsverbrauch: 11,8 Liter
Effizienzklasse: G
CO2-Emissionen: 275 g/km (Euro 5)
Leergewicht / Zuladung: min. 1815 kg / max. 385 kg
Kofferraumvolumen: 315 Liter
Wendekreis: 12,1 m
Reifen: 255/40 ZRF20 (v.) u. 285/35 ZRF20 (h.)
Luftwiderstandsbeiwert: 0,26
Basispreis: 96.400 Euro

 

 

(ampnet/jri)

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