Fahrbericht Porsche Boxster GTS: Einer geht noch

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Porsche Boxster GTS.  (Quelle:     Auto-Medienportal.Net/Busse)Aus einem Grundmodell immer neue Abkömmlinge zu erzeugen, beherrscht kaum eine Firma so gut wie Porsche. Beim vorigen 911er waren es zuletzt mehr als 20 Varianten. Nun hat auch die Boxster-Reihe Zuwachs bekommen. Drei Buchstaben und 65 PS mehr machen ihn zum „GTS“. Und was zeichnet ihn im Alltag aus? Ohne den Boxster gĂ€be es die Firma Porsche heute womöglich nicht mehr. Vor 18 Jahren, als die Baureihe aufgelegt wurde, ging es der Zuffenhausener Sportwagenschmiede richtig schlecht. Inzwischen wurde sie zu einem der profitabelsten Autohersteller weltweit, viele andere Marken kopieren ihre Modell-Strategie. „Derivate“ heißt das Zauberwort: Hier ein paar Sonderausstattungen ins Paket, dort ein bisschen mehr Leistung – schon sind neue Begehrlichkeiten zahlungskrĂ€ftiger Kunden geweckt.

Porsche Boxster GTS.  (Quelle:     Auto-Medienportal.Net/Busse)

Und gut betucht sollte man schon sein, denn knapp 70.000 Euro werden fĂ€llig, will man sich den schĂ€rfsten der offenen Zweisitzer vor die HaustĂŒr stellen. Die Summe ist immerhin 20.000 Euro höher, als fĂŒr das Boxster-Einstiegsmodell zu veranschlagen sind. DafĂŒr gibt es 730 Kubikzentimeter Hubraum und 65 PferdestĂ€rken mehr sowie ein paar Ausstattungsdetails, die man sich sonst mĂŒhsam aus der Aufpreisliste zusammensuchen mĂŒsste. Dank des grĂ¶ĂŸeren Motors ist auch der Zuwachs an Drehmoment enorm: 370 statt 280 Newtonmeter stehen auf den Datenzettel. Das ist nur geringfĂŒgig weniger, als der 911 Carrera aufbietet.

Porsche Boxster GTS.  (Quelle:     Auto-Medienportal.Net/Busse)

Das KĂŒrzel GTS gibt es bei Porsche seit 1963, im Jahr 2007 wurde es fĂŒr den Cayenne wiederbelebt. Nach dem Prinzip „Einer geht noch“ wurden danach auch die Baureihen Panamera und 911 um eine GTS-Version ergĂ€nzt. Die drei Buchstaben auf dem hinteren Kofferraumdeckel bedeuten aber nicht nur mehr Kraft. Ab Werk rollt der Boxster GTS auf 20 Zoll großen Leichtmetallfelgen an, verfĂŒgt ĂŒber das adaptive Fahrwerk PASM und hat Bi-Xenon-Scheinwerfer mit dynamischem Kurvenlicht. Das Sport Chrono Paket ist ebenso mit an Bord wie die Alcantara-Innenausstattung und eine Sportabgasanlage, mit der man auf Tastendruck einen unverschĂ€mt kernigen Sound entfachen kann.

Wer genau hinsieht, erkennt den nachgeschĂ€rften Boxster an den dezenten VerĂ€nderungen an Front und Heck. Die modifizierten LufteinlĂ€sse an der Front sind einem erhöhtem KĂŒhlbedarf geschuldet, das schwarz chromatierte Doppel-Endrohr am Heck ist von einem neuen Diffusoreinsatz umrahmt.

Porsche Boxster GTS.  (Quelle:     Auto-Medienportal.Net/Busse)

Nicht, dass es dem Boxster S an Sportlichkeit gemangelt hĂ€tte, aber da das Leistungsgewicht des Newcomers jetzt noch nĂ€her an vier Kilogramm pro PS liegt, kann man sich auf einen spĂŒrbaren AgilitĂ€ts-Unterschied verlassen. Seinen Reiz bezieht er nicht aus dem Versuch, den Fahrleistungen des Elfers nahe zu kommen, sondern aus dem wunderbar ausbalancierten FahrgefĂŒhl, dass das Konzept des Mittelmotors mit sich bringt. Und praktischer als der große Bruder ist er allemal. Die 150 Liter Kofferraumvolumen im Bug und 130 Liter hinter dem Motor sind mehr als doppelt soviel wie der Carrera bietet. Sie erlauben den beiden Insassen auch lĂ€ngere FreizeitausflĂŒge.

Die gehen natĂŒrlich bevorzugt in die Sonne, denn wozu braucht man sonst ein offenes Auto? Das Boxster-Stoffverdeck ist von keinem noch so plötzlichen Gewitterguss zu ĂŒberraschen. Nicht einmal zehn Sekunden braucht es, um sich aus der Ruhestellung hinter den ÜberrollbĂŒgeln schĂŒtzend ĂŒber die Insassen zu spannen und dauert damit kaum lĂ€nger, als sich eine MĂŒtze auf den Kopf zu ziehen. Genauso schnell öffnet es auch wieder und das bis Tempo 50. Das Netzwindschott, das zum Lieferumfang gehört, ist allerdings nur Kosmetik. Will man offen schneller als 120 km/h fahren, sollte man eine gewisse Zugluft-Resistenz mitbringen.

Leistungsstarke Autos stehen oft im Verdacht, nur etwas fĂŒr erfahrene Piloten zu sein. Auf den Boxster GTS trifft das nicht zu. Auch AnfĂ€nger spĂŒren nach wenigen Kilometern, dass dies Fahrzeug stets berechenbar ist und genau das tut, was man will – egal, ob man eine Kurve nun mit 40 oder 80 km/h anvisiert. Als gĂ€be es keine Haftungsgrenze, lĂ€sst er sich flink und mit erstaunlicher PrĂ€zision um jede Kehre zirkeln. Dabei hilft das so genannte Torque Vectoring, das die Drehmoment-Zuteilung an die AntriebsrĂ€der steuert.

Porsche Boxster GTS.  (Quelle:     Auto-Medienportal.Net/Busse)

Leider gehört dies nicht zum GTS-Paket, sondern ist als Sonderausstattung fĂŒr 1309 Euro zu haben. Entsprechender Platz vorausgesetzt, kann man sich mit seiner Hilfe Runde fĂŒr Runde ans Übersteuern heran tasten und wird staunen, wie lange es dauert, bis das Heck spĂŒrbar nach außen drĂ€ngt. Den Erfolg seiner BemĂŒhungen kann der Testfahrer dann auf dem G-Force-Meter ablesen. Wer Querbeschleunigungen von mehr als 1 g unterhaltsam findet, braucht nur das Lenkrad gut festzuhalten.

Auch wenn es die ohnehin schon kostspielige Anschaffung eines Boxster GTS noch einmal um fast 3.500 Euro verteuert, auf das PDK-Doppelkupplungsgetriebe sollte man nicht verzichten. Das MĂ€rchen vom Sportwagen, der gefĂ€lligst von Hand geschaltet werden muss, glaubt zum GlĂŒck kaum noch jemand, und auch die Porsche-Kunden haben sich inzwischen mehrheitlich dazu bekannt. Außer fĂŒr wieselflinke Gangwechsel sorgt es nĂ€mlich fĂŒr akustischen Genuss, denn bei heftigem Bremsen und gleichzeitigem Herunterschalten beglĂŒckt die Elektronik die Zeugen des Vorgangs mit deftigen Zwischengas-StĂ¶ĂŸen, die bei aktivierter Sport-Plus-Taste noch dramatischer klingen.

Porsche Boxster GTS.  (Quelle:     Auto-Medienportal.Net/Busse)

Weiterer angenehmer Nebeneffekt der siebengĂ€ngigen Schaltbox: Im Normverbrauch fĂ€hrt der automatisierte GTS um 0,8 Liter gĂŒnstiger die normierten 100 Kilometer ab, 8,2 Liter wurden auf dem RollenprĂŒfstand ermittelt. Im wirklichen Leben waren es auf dieser Testfahrt 9,6 Liter. Angesichts von Hubraum und Leistung ein respektabler Wert, der verstĂ€ndlich macht, warum sich Porsche-Offizielle immer wieder rĂŒhmen, die effizientesten Sportwagen zu bauen. Vollgas-Junkies werden mit diesem Wert wohl kaum auskommen, aber SelbstbeschrĂ€nkungen in Sachen Fahrspaß muss man sich nicht auferlegen, wenn man unter zehn Litern bleiben will.

Fazit: WĂ€re dieser Name im Porsche-Sortiment nicht schon vergeben, man mĂŒsste ihn dem neuesten Boxster anheften: Cayenne. So pfeffrig ist der 330 PS starke Zweisitzer, dass er der Ikone 911 wieder einen Hauch nĂ€her gekommen ist. Das Fahrverhalten ist bei allem Temperament sehr ausgewogen, seine praktischen VorzĂŒge lassen sich im GepĂ€ckvolumen messen. Und gĂŒnstiger zu haben ist er auch noch. Wozu brauchte man doch den Elfer noch gleich?

 

Datenblatt Porsche Boxster GTS

LÀnge x Breite x Höhe (in m): 4,40 x 1,80 x 1,27
Radstand 2,48 m
Leergewicht / Zuladung: min. 1375 kg / max. 310 kg
Kofferraumvolumen: 280 l
Motor: 6-Zylinder-Boxermotor, 3436 ccm
Leistung: 243 kW / 330 PS bei 6700 U/min
Drehmoment max.: 370 Nm von 4500 – 5800 U/min
Höchstgeschwindigkeit 279 km/h
Beschleunigung 0 – 100 km/h 4,7 Sek
Normverbrauch im Schnitt: 8,2 l / Testverbrauch 9,6 l
CO2-Emissionen: 190 g/km
Grundpreis: 73 405,95 Euro

 

 

 

(ampnet/afb)

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