Fahrbericht Lexus RC F: Ein klassischer Bolide

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Lexus RC F.  (Quelle: Auto-Medienportal.Net/David Dewhurst)Auch wenn sich die Toyota-Tochter Lexus vorwiegend als Hybrid- und Nobelmarke definiert: Schon seit den frĂŒhen 90er-Jahren gibt es eine sportliche Unterströmung, die sich zunĂ€chst im CoupĂ© SC 400 manifestierte, im Supersportwagen LFA einen vorĂŒbergehenden Höhepunkt fand und nunmehr mit dem 4,71 Meter langen, 477 PS starken SportcoupĂ© RC F ihre jĂŒngste AusprĂŒgung findet. Der nicht einmal 1,40 Meter hohe und 4,71 Meter lange RC F tritt als Sportler in die Fußstapfen des 423 PS starken ViertĂŒrers IS F, der ohne direkten Nachfolger bleibt. Mit der CoupĂ©form zielt der neueste Lexus jetzt direkt auf Audi RS5, BMW M4 und das nĂ€chste Mercedes-Benz C63 AMG CoupĂ© mit V8-Turbo. Zudem könnte das Cadillac ATS CoupĂ© mit einem ĂŒber 400 PS starken V6-Turbo auf den Markt kommen.

Lexus RC F.  (Quelle: Auto-Medienportal.Net/David Dewhurst)

In diesem Konkurrenzumfeld profiliert sich der Lexus konzeptionell als letzter klassischer Sportwagen. Nur noch der Audi RS5 verfĂŒgt ĂŒber einen Saugmotor, alle anderen Modelle bekommen Turbos. Doch als Allradler, der eine Frontantriebs-Plattform nutzt, fehlt dem Audi der Hinterradantrieb. Das traditionelle Rezept kommt nur noch bei Lexus zum Einsatz.

Von gestern ist der Japaner deswegen jedoch keineswegs – im Gegenteil. Wie gelassen sein FĂŒnfliter-V8 bei niedrigen Drehzahlen antritt, wie vehement er oberhalb von 3.800 Umdrehungen pro Minute (U/min) noch einmal nachlegt und wie souverĂ€n er bei 7.100 U/min seine Spitzenleistung von 477 PS aus dem Ärmel schĂŒttelt. Das muss ihm erst einmal ein kleiner Turbomotor nachmachen. Die Spitze liegt bei abgeregelten 270 km/h, der Spurt von 0 auf 100 km/h dauert nur 4,5 Sekunden. Kein Grund zum Feiern ist der Durchschnittsverbrauch von 10,8 Litern pro 100 Kilometer, der sich allerdings auch ohne besondere Anstrengungen nachvollziehen lĂ€sst – eine Übung, die bei modernen Turbomotoren nur selten gelingt.

Lexus RC F.  (Quelle: Auto-Medienportal.Net/David Dewhurst)

Bemerkenswert ist dabei, dass der RC F im normalen Straßenverkehr und bei vorsichtigem Gasfuß gĂ€nzlich zivile Manieren an den Tag legt. Erst in der Hand des Experten wird der Japaner zum Supersportwagen, der kaum noch Konkurrenz zu fĂŒrchten hat. Bei dynamischer Fahrweise spannt der Lexus die Muskeln, die Acht-Gang-Automatik peitscht die GĂ€nge durch, der V8 wird hellwach, und das immerhin rund 1,8 Tonnen schwere CoupĂ© lĂ€sst sich mit Ă€ußerster PrĂ€zision durch die Kurven dirigieren.

Das Fahrwerk des RC F ist grundsĂ€tzlich sportlich, aber mit ausreichend Restkomfort abgestimmt; die direkte Lenkung und die hart zupackende Bremsanlage passen zum Charakter des Japaners. Vorn kommen 255er-Reifen, hinten kommen sogar Pneus der Dimensiion 275/35 R 19 zum Einsatz. Gegen Aufpreis gibt es ein Torque-Vectoring-System, das sich stufenweise einstellen und das den RC F extrem agil in Kurven eindrehen lĂ€sst. Die Karosserie ist extrem steif, was sich Lexus unter anderem durch 40 Kilogramm Mehrgewicht gegenĂŒber dem IS F erkauft.

Lexus RC F.  (Quelle: Auto-Medienportal.Net/David Dewhurst)

Ansprechverhalten von Lenkung und Antrieb lassen sich in vier Modi anpassen, von Eco bis Sport S. In keiner der Stufen bleibt der Komfort restlos auf der Strecke. Die Sitze sind straff, aber langstreckentauglich, jedenfalls vorn. Der Fond taugt hingegen nur fĂŒr kleinere Menschen oder Kinder. EigenstĂ€ndig wirkt das komplett ausgestattete Cockpit mit seinen je nach Fahrzeugmodus unterschiedlich dargestellter Instrumentierung. Das berĂŒhrungsempfindliche Touch-Pad-Feld, mit dem sich ein Cursor auf dem Zentralbildschirm bewegen lĂ€sst, erweist sich jedoch als ablenkungstrĂ€chtig.

Lexus RC F.  (Quelle: Auto-Medienportal.Net/David Dewhurst)

Schon die regulĂ€ren Lexus-Modelle wirken mit ihrem sogenannten „Diavolo“-KĂŒhlergrill ungewöhnlich aggressiv; der RC F legt mit keilförmiger Proportion nochmals nach. Gegen Aufpreis gibt es Dach und Heckspoiler aus Carbon, und wer partout auch noch eine Motorhaube aus teurem, glĂ€nzend lackierten Kohlefaser-Verbundstoff wĂŒnscht, dem erspart Lexus ebenfalls den Weg zum Tuner. Wir wĂŒrden – nicht nur aus KostengrĂŒnden – darauf verzichten, obwohl das komplette Carbon-Paket immerhin 10 Kilogramm Mindergewicht bedeutet.

Lexus RC F.  (Quelle: Auto-Medienportal.Net/David Dewhurst)

Wenn der RC F im Januar 2015 in den Verkauf gelangt, wird er rund 75.000 Euro kosten. In Anbetracht des Gebotenen geht dieser Tarif in Ordnung. Dass er auf den markentypischen Hybridantrieb verzichten muss, dĂŒrfte die Kundschaft dieses rundum ĂŒberzeugenden, klassischen Hochleistungs-CoupĂ©s wohl locker verschmerzen.

 

Daten Lexus RC F

LÀnge x Breite x Höhe (m): 4,71 x 1,85 x 1,39
Radstand (m): 2,76
Motor: V8-Benziner, 4969 ccm, Direkteinspritzung
Leistung: 351 kW / 477 PS bei 7100 U/min
Max. Drehmoment: 530 Nm bei 4800-5600 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 270 km/h (abgeregelt)
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 4,5 Sek.
ECE-Durchschnittsverbrauch: 10,8 Liter
Effizienzklasse: G
CO2-Emissionen: 252 g/km (Euro 6)
Leergewicht / Zuladung: mind. 1765 kg / max. 485 kg
Kofferraumvolumen: 366 Liter
Wendekreis: 11,4 m
Reifen: vorn 255/35 R 19; hinten 275/35 R 19
Preis: 75 000 Euro (vorlÀufiger Preis)

 

 

(ampnet)

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