Can-Am Spyder ST – Dreirad fĂŒr Erwachsene

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Can-Am Spyder ST

Can-Am Spyder ST (Quelle: ampnet)DreirĂ€der gehören immer noch zu den Fahrzeugen, die im Straßenverkehr große Aufmerksamkeit wecken. Neben MotorrĂ€dern mit Beiwagen, Trikes und Zweispur-Rollern gehört auch der Can-Am Spyder dazu. Das bemerkenswerte GefĂ€hrt aus Kanada ist und bleibt aber eine Ausnahmeerscheinung. Das gilt sowohl fĂŒr die HĂ€ufigkeit, in der es im Straßenverkehr anzutreffen ist, als auch fĂŒr das Konzept. Der Versuch, das Dreirad von BRP (Bombardier Recreational Products = Bombardier Freitzeitprodukte) irgendwo zwischen Motorrad und Auto einzuordnen, gelingt nur schwer. Am ehesten trifft noch der Entwicklungsansatz: Der Can-Am Spyder ist eine Art Schneemobil fĂŒr den Asphalt. LĂ€ngst hat sich rund um das Dreirad – BRP spricht gerne vom „Y“-Konzept – dennoch eine eingefleischte Fan-Gemeinde gebildet. Dem puristischen Roadster RS und dem luxuriösen Tourer RT wird nun als dritte Variante der ST (Sport Touring) zur Seite gestellt, der eine Mischung aus den beiden bisherigen Modellen ist und sich auch preislich dazwischen positioniert. Herausgekommen ist aber weit mehr als nur eine Kreuzung, denn Can-Am hat in den Komfortdetails nicht einfach nur den RT kopiert, sondern eigenstĂ€ndige Designlösungen umgesetzt. Das gilt zum Beispiel fĂŒr die Frontgestaltung, aber auch fĂŒr die Sitzbank, die sich so weder beim RS noch beim RT findet.

Can-Am Spyder ST (Quelle: ampnet)

Zudem wurde zum Modelljahr 2013 die komplette Baureihe ĂŒberarbeitet. Das betrifft vor allem die VorderradaufhĂ€ngung, die neu konzipiert und noch stabiler ausgelegt wurde. Das wirkt sich unter anderem auf eine sicherere SpurfĂŒhrung aus. So ist es deutlich schwerer geworden, bei RichtungsĂ€nderung das kurveninnere Rad zum kurzfristigen Aufsteigen zu bewegen. Landstraßen minderer QualitĂ€t bringen das kanadische Dreirad ebenfalls nicht aus der Ruhe. Sie werden glattgebĂŒgelt, ohne dass große Lenkkorrekturen nötig wĂ€ren. Ebenfalls eine Bestnote gibt es fĂŒr das Bremsverhalten. Trotz des fĂŒr Motorradfahrer ungewohnten Systems mit nur einem Pedal und ohne Handgriff greifen die – neuen – Brembo-Bremsen nicht nur vertrauenerweckend zu. Der Spyder zeigt sich auch bei starker Verzögerung absolut spurstabil. Neu sind zudem Niederquerschnittsreifen. Deren hinten montiertee Exemplar lĂ€sst sich beim Ampelstart auch schon mal zum Quietschen bringen, denn die Traktionskontrolle greift erst ab 50 km/h und nur in Kurven.

Can-Am Spyder ST (Quelle: ampnet)

Die 74 kW / 100 PS und 108 Newtonmeter Drehmoment sorgen bei einem Trockengewicht von rund 390 Kilogramm fĂŒr potenten Vortrieb. Ab 3.000 Umdrehungen darf getrost geschaltet werden. Muss an aber nicht, denn der drehfreudige Rotax-V2 entwickelt jenseits der 4.500 Touren ein kaum zu bremsendes Temperament und lĂ€uft unter fast schon kreissĂ€genhaften KlĂ€ngen mĂŒhelos in den roten Bereich jenseits der 9.000 Umdrehungen, ohne dass ihn ein Begrenzer aufhĂ€lt. In hart eingelenkten Kurven driftet das Hinterrad schon einmal gerne ĂŒber den Asphalt. Bevor es zu bunt wird, fĂ€ngt die StabilitĂ€tskontrolle den Sypder aber wieder unmissverstĂ€ndlich ein.
So verleitet auch der ST zu einem eher forschen Ritt ĂŒber den Asphalt und sorgt dabei aber gegenĂŒber dem RS fĂŒr spĂŒrbar mehr Komfort. Eine geĂ€nderte Position der Fußrasten und ein breiterer Lenker sorgen fĂŒr eine aufrechtere Sitzhaltung. Ungewohnt ist die tiefe Position der RĂŒckspiegel, mit denen man unter den Achseln hindurch nach hinten schaut. Die Sicht ist aber hervorragend.

Can-Am Spyder ST (Quelle: ampnet)

Nicht ganz zum gehobenen Anspruch und zu einem Basispreis von immerhin 19.499 Euro passt, dass die Touringscheibe sich nur manuell in der Höhe verstellen lĂ€sst. Das wirkt wenig elegant, zumal keinerlei Griff vorhanden ist und einfach am Plexiglas gezogen oder gedrĂŒckt werden muss. Andererseits: Wer einmal die fĂŒr ihn passende Position gefunden hat, der muss sie eigentlich nie mehr wieder verstellen. Ihre eigentliche Aufgabe, den wirksamen Windschutz, erledigt die Scheibe jedenfalls hervorragend. Ohnehin ist der Fahrer gut vor WitterungseinflĂŒssen geschĂŒtzt. So finden sich beispielsweise im freien Raum zwischen RĂŒckspiegel und Frontverkleidung eine durchsichtige Abdeckung, wie man sie auch vom RT kennt und die den Luftstrom auf die Oberschenkel unterbindet. Ein weiterer Abweiser hinter den KotflĂŒgeln hĂ€lt die FĂŒĂŸe trocken. Mit zwei Paketen und Zusatzausstattung wie NavigationsgerĂ€t, Radio und Seitenkoffern kann der Sport Tourer noch weiter Richtung Reise aufgerĂŒstet werden. Ein 44 Liter fassendes GepĂ€ckabteil im Bug bringt jeder Sypder ja schon von Hause aus mit sich.

Can-Am Spyder ST (Quelle: ampnet)

Als zweispuriges Fahrzeug darf der Spyder auch mit dem AutofĂŒhrerschein gefahren werden. Ein Helm bleibt aber Pflicht. Wer keinerlei Zwei- oder Dreiraderfahrung hat, der sollte zunĂ€chst mit ein paar Übungen den Umgang mit dem Spyder trainieren. Die Bedienungsanleitung hĂ€lt hier auch gleich ein paar Tipps parat. Gespannfahrer dĂŒrften am schnellsten mit dem Dreirad zurechtkommen. FĂŒr sie sind Richtungswechsel mit Zieh- oder Druckbewegungen am Lenker und Körperneigung durch Hineinlegen in die Kurve sowie unterstĂŒtzende Gaseingriffe nichts Ungewöhnliches – und machen auch beim Spyder ST einen Großteil des besonderen FahrvergnĂŒgens aus. Untrainiert, aber beherzt fahrende Can-Am-Piloten spĂŒren bei so viel Einsatz schon nach den ersten 50 Kilometern ein leichtes Ziehen in den Schultern vom aktiven Druck auf die Lenkung.

Can-Am Spyder ST (Quelle: ampnet)

Neben der FĂŒnf-Gang-Fußschaltung bietet BRP auch eine sequenzielle Halbautomatik an, die per Daumen und Finger am Lenker betĂ€tigt wird und bei Bedarf auch mit Zwischengas selbsttĂ€tig herunterschaltet. Sie verlangt allerdings manchmal nach etwas krĂ€ftigem Druck. Can-Am-typisch ist auch das Vorhandensein eines RĂŒckwĂ€rtsgangs, bei dessen Einlegen ĂŒber einen separaten Schalter automatisch die Warnblinkanlage aktiviert wird. Wie alle Spyder-Modelle darf auch der ST mit AnhĂ€nger gefahren werden. DafĂŒr ist im Motormapping ein spezielles, ĂŒber den Bordcomputer zu aktivierendes Programm hinterlegt, dass der Kurbelwelle fĂŒr den Zugbetrieb etwas mehr Drehzahl gönnt.

Zwar kann auch der Can-Am natĂŒrlich die Gesetze der Physik nicht aushebeln. Darauf weist auch die Bedienungsanleitung gerne immer wieder hin. Dennoch ist der Can-Am Spyder das wohl sicherste Fahrzeug auf drei RĂ€dern. DafĂŒr sorgt das Zusammenspiel aus dynamischer Servolenkung, Traktions- und StabilitĂ€tskontrolle sowie ABS und automatischem Bremskraftausgleich zwischen den einzelnen RĂ€dern. Und fĂŒr Aufmerksamkeit sorgt das GefĂ€hrt immer noch – nicht nur beim Ampelstart.

Technische Daten Can-Am Spyder ST

LÀnge x Breite x Höhe: 2,68 m x 1,51 m x 1,33 m
Motor: 60-Grad-V2, 998 ccm
Max. Leistung: 71 kW / 100 PS bei 7.500 U/min
Max. Drehmoment: 108 Nm bei 5.000 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 175 km/h
Leergewicht/Zuladung: 392 kg / 200 kg
Bereifung: 165/55R15 (vorne), 225/50R15 (hinten)
Basispreis: 19.499 Euro

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