Der Blick zurück in die Zukunft – Die Sonderausstellung Elektromobilität in Essen

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Essen: Die Techno-Classica widmet sich in einer Sonderausstellung ganz dem Thema „Benzin versus Strom“. Unter dem Namen: „Unter Strom – Die Geschichte der Elektroautos“ wird der Blick auf das Jahr 1912 geworfen, als der elektrische Anlasser den Weg für Benzin-Automobile frei machte.

Das Thema ist jedoch so aktuell wie nie zuvor – und dennoch über 135 Jahre alt: Seit 1881/1882 gibt es fahrtaugliche Automobile mit Elektromotor. Anfangs schien es, als ob sie sich durchsetzen würden. Aber vor 105 Jahren – 26 Jahre nach Erfindung des Benzin-Automobils – begann der eigentliche Siegeszug der Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Nun scheint deren Epoche jetzt dem Ende zuzugehen. Derzeit setzen Elektroautos zum Überholen an und Experten prophezeien: Dem Elektroauto gehört die Zukunft. Die Diskussion über zukünftige Antriebsenergien steht derzeit unter hoher Spannung – genau wie vor rund 105 Jahren.

Opel Torpedo Double Phaeton. Bild von Opel

Über 135 Jahre Autos mit Elektro-Antrieb – 1882 bis 2017

Im Mittelpunkt der Sonderschau im Foyer West der Messe Essen stehen vom 5. bis 9. April 2017 fünf Automobile. Ein Stanley Steamer aus dem Jahr 1915 verkörpert den Dampfantrieb. Ein Detroit Electric aus dem Jahr 1915 steht für mit Strom betriebene Personenwagen aus der automobilen Frühzeit. Diese beiden Fahrzeuge stammen aus dem Automuseum Melle. Das Museum Autovision in Altlußheim fährt das erste funktionsfähige Elektroauto der Welt, einen Aytron & Perry von 1881/1882, auf. Es handelt sich dabei um eine Rekonstruktion, das Original ist verschollen.

Detroit Electric. Bild von Markus Bolsinger

Die Adam Opel AG schlägt die Brücke zur Moderne und präsentiert eines der derzeit modernsten Elektroautos – den Opel Ampera-e, der mit voller Batterie-Ladung rund 500 Kilometer weit kommt und damit Reichweiten-Weltmeister unter den aktuellen Stromern ist. Ebenfalls aus dem Hause Opel stammt ein Opel 6/16 PS des Jahres 1911, der als typischer Vertreter damaliger Benzin-Automobile verdeutlicht, wie mühsam sich damals die Fortbewegung in Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren gestaltete.

Opel Ampera e. Bild von Opel

Eine Zeitreise durch die Automobilgeschichte

Die Elektro-Sonderschau entführt die Messe-Besucher in eine Zeit, in der Autofahren noch ein echtes Abenteuer war. In eine Zeit, in der sich vor allem in den USA die Hersteller von Benzinautomobilen, Dampfwagen und Elektrofahrzeugen ein beinhartes Wettrennen um die Gunst der Automobilisten lieferten – und das schon seit Beginn des 20. Jahrhunderts.

Benzinautos waren nur mit schierer Muskelkraft zu starten. Sie waren störanfällig und mit ihren unsynchronisierten Getrieben gerieten die Gangwechsel zum Geschicklichkeitsspiel für Könner. Dampfautos benötigten eine lange Vorheizzeit, und ohne Dampfkondensator musste alle 30 Kilometer Wasser nachgefüllt werden. Die Elektroautos hingegen waren kinderleicht zu bedienen. Doch litten sie unter der geringen Reichweite der klobigen und schweren Akkus und erforderten lange Standzeiten zum Aufladen der Batterien. Ihre Reichweite betrug in jenen Jahren pro Ladung maximal 150 Kilometer – unter optimalen Bedingungen. Das Aufladen dauerte oftmals einen ganzen Tag. Benzinautos schafften damals locker über 300 Kilometer – je nach mitgeführter Benzinmenge – und waren in wenigen Minuten zu betanken.

Sonderschau Elektro abb7ayrton. Bild von Markus Bolsinger

Im Jahr 1912 schließlich machte – Ironie des Schicksals – ein Elektromotor den von Elektromotoren angetriebenen Autos den Garaus: Damals erlangte der Startermotor Serienreife – Benzinautos verloren einen ihrer größten Nachteile: Ihre Motoren sprangen nun (zumeist) auf Knopfdruck an. Und als sich das Tankstellennetz zu einem engmaschigen Geflecht entwickelte, ging die Ära der Elektroautos rasch zu Ende.

Bis in die späten 1990er-Jahre fristeten die Stromer ein Nischendasein. Als in den letzten Jahren immer intensiver nach Alternativen zu den Verbrennungsmotoren gesucht wurde, geriet der Elektroantrieb wieder in den Fokus. Sein größter Makel – die geringe Reichweite, bedingt durch begrenzte Stromspeicher-Kapazitäten – gerät dank Fortschritten in der Batterie-Technik immer mehr in den Hintergrund. Auch die früher hohen Kosten für die Stromspeicher sind in den letzten Jahren gesunken. Die deutsche Traditionsmarke Opel beispielsweise beweist dies eindrucksvoll mit dem Ampera-e, der ab Herbst dieses Jahres auf den Markt kommen soll.

In der Techno-Classica-Essen-Sonderschau steht er den mit verschiedenen Antriebssystemen ausgerüsteten historischen Automobilen zur Seite – und führt die Messe-Besucher wieder zurück in die Gegenwart.

Weitere Informationen unter www.siha.de

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