40 Jahre Renault 5 – Der „kleine“ Franzose mit der goĂźen Beliebtheit

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Frankreichs legendäre 68er-Generation geht auf die Rente zu. Und auch ihre Nachkommen sind längst erwachsen. Nur ein ganz bestimmtes Kind dieser Zeit bleibt offenbar ewig jung: der Renault 5. Dabei wird der 1972 vorgestellte Dreitürer in diesen Tagen auch schon 40.

Er war eben schon immer etwas Besonderes: Während sich an der 68er-Bewegung die Geister schieden, war dieser kleine Revolutionär auf Rädern von Anfang an bei jedermann beliebt. Und das, obwohl er die Automobilwelt genauso auf den Kopf stellte wie es die protestierenden Studenten mit der Gesellschaft versuchten. Der Renault 5 verjagte den Muff der automobilen Nachkriegszeit, stellte der bis dahin üblichen „Farbpalette“ von Mittelgrau bis Dunkelgrau plötzlich bunte Farben, moderne Formen und frische Ideen gegenüber. Quadratische Armaturen, sonnengelber Lack, helle Kunststoff-Stoßfänger – wann hatte es das je gegeben? Der konsequente Seventies-Style überzeugte auf Anhieb: Kurz nach seinem Debüt entfielen schon fünf Prozent aller Neuzulassungen in Frankreich auf den kompakten Dreitürer. Auch in Deutschland flogen ihm bald die Herzen zu.

Natürlich hatte der hochmoderne Dreitürer – angesiedelt zwischen den etwas angejahrten Dauerläufern Renault 4 und Renault 6 – auch auf technischer Seite viel zu bieten. Zum Beispiel eine selbsttragende Karosserie statt des bis dahin verbreiteten Plattformrahmens. Oder eine sparsame Motorenpalette, die bei einem Hubraum von nur 782, in Deutschland 845 Kubikzentimetern begann. Auch damit traf der Renault 5 ins Schwarze: Als „Auto zur Ölkrise“ erschien er zum perfekten Zeitpunkt. Zudem überzeugte er durch seine Praktikabilität. Mit 3,51 Meter Länge nahm er wenig Verkehrsfläche ein und bot dennoch Platz für vier Erwachsene plus Gepäck. Außerdem war er dank seines kleinen Wendekreises handlich in der Stadt und leicht zu parken – was ihn zu einem echten Frauentyp machte. Deren Käuferanteil lag bei damals ungewöhnlich hohen 50 Prozent. Im Sommer 1979 gesellte sich eine fünftürige Version hinzu.

Als reiner „Einkaufswagen“ fühlte sich der 5er jedoch unterfordert.  Die Sportversionen Alpine, Alpine Turbo sowie die Mittelmotor-Kracher Turbo und Turbo 2 wurden zur Legende, der ab 1974 ausgetragene Renault 5 Cup zum Sprungbrett für zahlreiche Topstars des internationalen Motorsports. Der aus heutiger Sicht wohl bekannteste der vielen Aufsteiger ist der Ex-Formel 1-Pilot und jetzige RTL-Kommentator Christian Danner. In Deutschland kostete der Renault 5 Turbo 42.000 Mark. Damit war er so teuer wie eine Mercedes S-Klasse aber auch so schnell wie ein Porsche 911 SC.

Nach zwölf Jahren und 5,3 Millionen gebauten Exemplaren löste der sogenannte „Supercinq“ 1984 die erste Generation ab. Das charmante Äußere blieb fast gleich, die Technik wurde komplett neu konstruiert. Dies nahm Renault zum Anlass, mit aktuellen Design-Grafiken der CAD-Programme (Computer Aided Design, zu Deutsch: computergestützte Konstruktion) zu werben. Bis zur endgültigen Ablösung durch den Renault Clio hatten sich die „frechsten dreieinhalb Meter der Welt“ rund neun Millionen Mal verkauft. 1994 verabschiedet sich der kleine Franzose nach einer mehr als 20-jährigen Erfolgsgeschichte in den Ruhestand – mit dem Schriftzug „Bye Bye“ auf dem Heck der letzten Serie. Was bleibt, ist der Kultstatus des Renault 5 und das Wissen: Mit dem „Cinq“ hielt die Moderne Einzug.

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